2026-01-20 - Rastbank
Mir ist vor ein paar Tagen ein Buch von David DuChemin in die Hände gefallen. Darin geht's um die Vorstellung, die der Fotograf hat (oder vielmehr haben sollte), bevor er das Bild aufnimmt. Und er erwähnt gleich am Anfang, dass er weltweit mit Workshop-Teilnehmern ganz unterschiedlicher Kulturkreise die interessante Erfahrung gemacht hat, wie schwer sich Fotografen tun, überhaupt über ihre Bilder zu sprechen. Vielleicht zum Teil, weil es ihnen unangenehm ist, vor allem aber, weil sie sich nicht erinnern können, warum sie ein Bild auf eine bestimmte Weise aufgenommen haben (oder es vielleicht sogar nie wussten).
Also, da will ich mich nicht drücken, ich versuch's mal mit dem folgenden Bild.

Die erste Entscheidung hab ich bereits vor dem Verlassen der Wohnung getroffen, nämlich das Objektiv. Aber das alleine ist ein umfangreiches Thema und sprengt den Rahmen. Entscheidend ist, dass meine Wahl es mir erlaubt, die Schärfe selektiv zu setzen.
Heute war ein recht kalter aber wunderbar sonniger Wintermorgen, das wollte ich einfangen. Und natürlich wollte ich ein Bild machen, das mir gefällt. Also: etwas aus der Situation machen, so wie sie ist und zwar auf eine Weise, dass ich mir vorstellen kann, das Bild gerne später noch anzuschauen.
Ich bin jetzt durchaus leicht zu verführen von Moden, und eine aktuelle Mode ist es Fotos mit einem Kontrast aus kalten und warmen Farben zu machen. Ich mag den Look, auch wenn ich das ubiquitäre Orange-and-Teal-Rendering irgendwann übertrieben finde. Das Gute heute war allerdings, dass die Lichtstimmung es nicht schwer gemacht hat, genau diesen Kontrast in ein Bild hineinzupacken.
Der Rest ist: etwas Verblühtes in Bodennähe finden, ausreichend abgesetzt von einem möglichst dunklen Hintergrund. Dann gegen die tiefstehende Sonne fotografieren. Ich habe den Bildausschnitt ganz bewusst so gesetzt, dass die Helligkeit gegen die obere Bildkante hin zunimmt, ohne die Sonne selbst ins Bild aufzunehmen. Ich empfinde den Helligkeitsverlauf so als harmonisch. Wäre die Sonne im Bild, dann wäre oben ein weißer Fleck gewesen.
Dann, Blende 2,8. Damit kann man freistellen, aber es ist nicht extrem selektiv. Die drei vorderen Blüten sind in etwa auf einer Ebene und haben eine gewisse Ausdehnung in die Tiefe.
Natürlich waren das mehrere Bilder. Warum auch nicht. Der Kameramonitor ist klein und manchmal erkennt man störende Elemente oder einen Fehlfokus erst zuhause.
In der Nachbearbeitung musst ich dann eigentlich nichts mehr machen. Was man sieht ist mein Standard-Preset, das ich beim Importieren nach Lightroom immer anwende. Und es ist ja praktisch, wenn das reicht.
PS: Beim nächsten Mal gibt es vermutlich ein schlechtes Foto, weil ich mit Gedanken nicht bei der Sache war oder der Tag vollgepackt mit irgendwelchen anderen Dingen. Und dann hab ich mir vielleicht überhaupt keine Gedanken gemacht, sondern einfach verzweifelt versucht, mein 365-Tage-Projekt zu retten.
Und das gehört dann halt auch zur Wahrheit.